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Die Kunst der Selbstliebe: Trauma und die verlorenen Anteile

Selbstliebe ist weit mehr als ein modernes Schlagwort – sie ist der Schlüssel zu unserer inneren Heilung. Doch für viele Menschen mit traumatischen Erfahrungen scheint sie unerreichbar. Warum? Weil Trauma oft dazu führt, dass wir Teile von uns selbst abspalten. Diese abgespaltenen Anteile sind oft genau diejenigen, die Liebe am meisten bräuchten – doch stattdessen begegnen wir ihnen mit Ablehnung, Angst oder Scham.

Trauma und die Fragmentierung des Selbst

Ein Trauma entsteht, wenn unser System mit einer Erfahrung überfordert ist und keine Möglichkeit sieht, sie zu verarbeiten. Um zu überleben, lagern wir den Schmerz aus – in Form von inneren Anteilen, die sich in uns zurückziehen. Sie tragen unsere Ängste, unsere Ohnmacht, unsere Wut.


Diese Anteile sind nicht „weg“, sondern wirken im Hintergrund - und manchmal kommen sie auch ganz hervor und nach vorne. Sie zeigen sich dann in unseren Ängsten, in unserer Selbstsabotage, in den immer wiederkehrenden Mustern von Selbstzweifeln oder Selbstverurteilung. Und paradoxerweise sind es oft genau diese Teile, die wir am wenigsten annehmen können. Wir halten sie vielleicht für „schwach“, „zu viel“, „zu empfindlich“ oder gar „falsch“. Doch wahre Selbstliebe beginnt dort, wo wir aufhören, uns selbst in Teile zu zerlegen.

 

Anteile liebevoll integrieren

Die Heilung geschieht nicht, indem wir diese inneren Stimmen zum Schweigen bringen oder uns gegen sie wehren. Sie geschieht, indem wir ihnen (endlich) zuhören. Indem wir ihnen Raum geben. Und vor allem: Indem wir sie mit Liebe und Mitgefühl empfangen. Selbstliebe bedeutet, die Wunden nicht nur als etwas zu sehen, das geheilt werden muss, sondern als Wegweiser zu den tiefsten Schichten unseres Seins. Jedes Gefühl, das sich zeigt – sei es Angst, Wut oder Traurigkeit – trägt eine Botschaft. Wenn wir lernen, diese Botschaften zu entschlüsseln, erkennen wir, dass sie uns nicht zerstören wollen, sondern uns zurück zu uns selbst führen.

 

Der Weg zu einem liebevollen Selbst

Ein erster Schritt ist, sich selbst mit derselben Fürsorge zu begegnen, die man einem verletzten Kind entgegenbringen würde.

  • Was würde Dein erwachsenes, reifes Selbst diesem verletzten Teil sagen?
  • Kannst Du ihm versichern, dass es sicher ist, zu fühlen?
  • Kannst Du ihn liebevoll annehmen, anstatt ihn zu verdrängen?

Die Selbstliebe, nach der wir oft im Außen suchen, beginnt genau hier: In der sanften Rückkehr zu den Anteilen, die wir vergessen haben. Indem wir uns selbst in unserer Ganzheit zurücknehmen, geschieht die tiefste Heilung – nicht durch Perfektion, sondern durch reine Annahme.

 

Denn erst wenn wir uns selbst in jedem Licht und jeder Schattenseite lieben, können wir wahrhaft frei sein.

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